Was ist ein Prozessaudit nach VDA 6.3?
Der VDA-Band 6.3 des Verbands der Automobilindustrie beschreibt eine standardisierte Methode für Prozessaudits. Anders als ein Systemaudit, das die Erfüllung von Normforderungen prüft, bewertet das Prozessaudit, ob ein konkreter Prozess fähig ist, die geforderte Produktqualität stabil zu liefern – von der Projektplanung bis zur Auslieferung an den Kunden.
Prozessaudits nach VDA 6.3 werden als 1st-Party-Audit im eigenen Unternehmen und als 2nd-Party-Audit beim Lieferanten durchgeführt. Viele Automobilhersteller und Zulieferer erwarten die Methode auch, um die von der IATF 16949 geforderten Prozessaudits umzusetzen.
Die Prozesselemente P1 bis P7
Der Fragenkatalog ist entlang des Produktlebenszyklus in Prozesselemente gegliedert:
- P1 Potenzialanalyse – Bewertung möglicher neuer Lieferanten vor der Vergabe
- P2 Projektmanagement
- P3 Planung der Produkt- und Prozessentwicklung
- P4 Realisierung der Produkt- und Prozessentwicklung
- P5 Lieferantenmanagement
- P6 Prozessanalyse Produktion
- P7 Kundenbetreuung, Kundenzufriedenheit und Service
Bewertung: Punkte, Erfüllungsgrad und Einstufung
Jede Frage wird mit 0, 4, 6, 8 oder 10 Punkten bewertet – je nachdem, ob die Anforderungen nicht, unzureichend, teilweise, überwiegend oder vollständig erfüllt sind. Aus den erreichten Punkten im Verhältnis zur maximal möglichen Punktzahl ergibt sich der Erfüllungsgrad in Prozent.
Die Einstufung erfolgt in drei Klassen: A (qualitätsfähig) ab 90 %, B (bedingt qualitätsfähig) ab 80 % bis unter 90 % und C (nicht qualitätsfähig) unter 80 %. Zusätzlich gibt es Abstufungsregeln: Schlecht bewertete Einzelfragen – insbesondere die mit einem Stern gekennzeichneten Fragen – können zu einer schlechteren Einstufung führen, auch wenn der Gesamterfüllungsgrad hoch ist.
Typischer Ablauf eines VDA 6.3-Audits
Ein Prozessaudit folgt in der Praxis meist diesen Schritten:
- Auditauftrag und Festlegung von Umfang, Produkten und Prozesselementen
- Vorbereitung: Unterlagen sichten, Auditplan abstimmen, Fragenkatalog auswählen
- Eröffnungsgespräch mit den Verantwortlichen
- Audit vor Ort: Gespräche, Begehung der Fertigung, Stichproben von Nachweisen
- Abschlussgespräch mit vorläufigem Ergebnis und Feststellungen
- Auditbericht mit Erfüllungsgrad, Einstufung und Maßnahmenplan
- Verfolgung der Maßnahmen und Bewertung ihrer Wirksamkeit
So bereiten Sie sich vor
Die beste Vorbereitung ist ein ehrlicher Blick auf die eigenen Prozesse vor dem Kunden- oder Lieferantenaudit. Ein internes Prozessaudit durch einen qualifizierten Auditor deckt Schwachstellen auf, solange noch Zeit für Korrekturen bleibt. Besonders Sternfragen, Nachweise zur Prozessfähigkeit und die Wirksamkeit früherer Maßnahmen sollten Sie im Blick haben.
Als 1st/2nd Party VDA 6.3-Auditor führe ich Prozessaudits in Ihrem Unternehmen und bei Ihren Lieferanten durch – mit Bericht, Bewertung und konkretem Maßnahmenplan.
Häufige Fragen
Wer darf VDA 6.3-Audits durchführen?
Für 1st- und 2nd-Party-Audits setzen Automobilhersteller und Zulieferer in der Regel Auditoren mit entsprechender VDA 6.3-Qualifizierung ein. Die konkreten Anforderungen legen die jeweiligen Kunden fest.
Wird P1 in den Erfüllungsgrad eingerechnet?
Die Potenzialanalyse (P1) dient der Bewertung möglicher neuer Lieferanten vor einer Vergabe und wird separat betrachtet.
Was passiert bei einer C-Einstufung?
Der Prozess gilt als nicht qualitätsfähig. Üblich sind kurzfristige Sofortmaßnahmen, ein verbindlicher Maßnahmenplan und ein Nachaudit; die Konsequenzen für die Lieferbeziehung legt der Kunde fest.

